Die Nutzung von Fernwärme ist ein wichtiger Bestandteil für das Gelingen der Wärmewende. Dies geht nicht zuletzt aus der Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Zusammenarbeit mit dem HIC Hamburg Institut Consulting GmbH und der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH vom März 2021 hervor. Insbesondere in urbanen Räumen werde die Bedeutung von Fernwärme bis zum Schlüsseljahr für klimaneutrale Wärmeversorgung 2050 wachsen, so der Bericht.

Was ist Fernwärme?

Fernwärme ist Wärmeenergie, die über ein isoliertes Rohrsystem von Wärmeerzeugern, Abwärmequellen oder Umweltwärmequellen zum Endverbraucher transportiert und dort in meist direkt zum Heizen und für Warmwasser genutzt oder über Wärmepumpen nochmals auf das notwendige Temperaturniveau gehoben wird. Letzteres wird in der Regel als kalte Nahwärme bezeichnet. Die Wärme wird über Wasser befördert, welches nach der Nutzung in der Zentralheizung der Gebäude im abgekühlten Zustand wieder zur Wärmequelle zurückgeleitet wird. Durch die Nutzung von Fernwärme benötigt das jeweilige Gebäude kein eigenes Heizungssystem. Eine Ausnahme hiervon ist die kalte Nahwärme, bei der Wasser-Wasser-Wärmepumpen in den Gebäuden zum Einsatz kommen.

Die meisten Wärmenetze sind heute in Deutschland heiße Wärmenetze, die noch mit Kohle oder Erdgas betrieben werden. Es gibt aber auch Anlagen, die Biomasse wie Holz, Biogase oder Geothermie nutzen. Nach dem geplanten Kohleausstieg im Jahr 2038 werden darüber hinaus unter anderem solarthermische Anlagen in den Fokus rücken.

Umbau bestehender Wärmenetze

Gemäß den Prognosen der BDEW-Studie würden Großwärmepumpen in Zukunft den Großteil der Fernwärme bereitstellen. Daneben seien auch Solarthermie, Geothermie, Abwärme und je nach Standort Power-to-Heat relevant. 

Die stärkere Nutzung klimaneutraler Wärmequellen sei dabei ebenso wichtig wie die Modernisierung der bestehenden Wärmesysteme. Dazu zählten etwa die Senkung der Netztemperaturen und die Einbindung von Wärmespeichern.

Neue „Bundesförderung effiziente Wärmenetze“

Wichtige Potenziale sieht die Studie in einem neuen Förderungsprogramm der Bundesregierung. Um der Dekarbonisierung der bestehenden Wärmenetze in Deutschland auf den Weg zu helfen, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die „Bundesförderung effiziente Wärmenetze“ ins Leben gerufen. Die Förderrichtlinie wurde im August veröffentlicht und umfasst sowohl Machtbarkeitsstudien als auch die Umsetzung von Neubau und Umbau von Wärmenetzen. Das Ziel: die verstärkte Einbindung klimafreundlicher Energien.

Kommunale Wärmeplanung als zentrales Instrument

Die Transformation der Wärmenetze hin zu einer klimaneutralen Versorgung erfordere verlässliche Steuerung, Planung und Kommunikation zwischen den beteiligten Parteien. Die kommunale Wärmeplanung sei dem Bericht zufolge ein wichtiges Hilfsmittel in diesem Prozess:

„Ein zentrales Element hierfür ist die Wärmeplanung. Auf der Ebene des Bundes ist eine langfristige und kohärente Strategie für den klimaneutralen Gebäudebestand zu entwickeln, um Fehlplanungen auf nachgelagerten Planungsebenen etwa durch eine „Überbuchung“ knapper Ressourcen wie Biomasse und synthetischer Brennstoffe zu verhindern. Auf dieser Grundlage nehmen die Kommunen durch die Wärmeplanung den Umbau der lokalen Wärmeversorgung vor.“